Wackers

Kult(urgut): Wacker´s Kaffeegeschäft von 1914 ... (Innenstadt, Kornmarkt 9)

... ist die in Frankfurts Innenstadt (gegenüber Parkhaus Hauptwache) wohl billigste Möglichkeit, sich einen Espresso, Cappuccino oder `Latte´ zu genehmigen. Ich weiß, der Apostroph vor dem `s´ entspricht nicht unseren aktuellen Regeln der Rechschreibung, aber so steht´s (dieser ist wiederum richtig) über dem Eingang geschrieben. Das Stammhaus wurde bereits 1914, also noch zur Kaiserzeit, von Luise Wacker als Feinkostgeschäft mit eigener Kaffeerösterei (!) am Kornmarkt 9 gegründet. Heute besteht das Unternehmen in der dritten Generation und verfügt über Filialen im Mittelweg 47 (Nordend), in der Berger Straße 185 (Bornheim) und im neuen Stadtteil Riedberg.

Wacker´s Kaffeegeschäft

Wacker´s ist eines der letzten verbliebenen Traditionscafés in der Innenstadt und hebt sich wohltuend von den durchgestylten, neumodischen, irgendwie unterkühlten und überteuerten Coffeeshops zwischen Alter Oper, Börse und Bankenviertel ab. Um die Mittagszeit reicht die Schlange für den Ausschank bei schönem Wetter bis auf die Straße und die Sitz- und Stehgelegenheiten vor dem Laden sind erschöpft. Durch die gerade mal ein Meter breite Tür geht man aber nicht nur hinein, hier müssen auch die Leute mit ihren Tassen wieder heraus und die angelieferten Kaffeesäcke und Kunden des Verkaufstresens durch: "Vorsicht bitte!" "Oh, tschuldigung..." "Stehen Sie zum Verkauf oder zum Ausschank an?" "Darf ich mal?" Die zahlreichen Jungbörsianer, Banker und andere Berufsgruppen mit ebenso chronisch knappem Geldbeutel suchen sich einen Platz auf der anderen Straßenseite, wo die Stadt Frankfurt freundlicherweise eine Sandsteinmauer in Thekenhöhe gestaltet hat. Wiederum unfreundliche Zeitgenossen mit besonders engem Terminplan lassen allerdings gelegentlich einfach ihre Tasse dort stehen und meinen offensichtlich, dem Personal von Wacker´s den Weg über diese stark befahrene Straße zumuten zu müssen.

Der Andrang ist zeitweise gewaltig. Dabei hat die Einrichtung weder jemals einen Designer gesehen, noch sind die Stühle besonders weich oder erinnert sie in irgendwelchen Details an glanzvolle Caféhauszeiten, von den verchromten Kaffeebehältern und einer alten schwungradbetriebenen Mühle einmal abgesehen. Woran liegt es dann, dass jung und alt, reich und arm, Handwerker, Einkaufsbummler und Geldjongleure friedlich vereint ihre Koffeindosis schlürfen? "Mer waas es nett..." würde der Frankfurter mit seinem weltmännischen Durchblick philosophieren. Wahrscheinlich an der Einfachheit, der Normalität und der Grundehrlichkeit dieser Institution. Vielleicht ist es auch nur der in allen gesellschaftlichen Schichten verbreitete Zwang, ein Schnäppchen machen zu müssen?

Neben dem normalen Café-Betrieb ist auch ein Verkaufstresen mit zahlreichen Kaffee- und Teemischungen aus aller Welt (in Papiertüten), erlesenen Schokoladen, englischem Gebäck und chromblitzenden Zubehör integriert. Zeitweise bis zu vier Leute wuseln zu Stoßzeiten dahinter herum, um irgendwie den beengten Innenraum vor dem Überfüllungskollaps zu retten. Der extreme Duft frisch gerösteter Bohnen raubt dem Gast den Atem, gibt ihm bereits vor dem ersten Schluck die volle Dröhnung und fällt eigentlich unter das Betäubungsmittelgesetz...

Die Qualität der verschiedenen Ausschankkaffees, welche man sich selbst direkt von der Theke holt, hängt manchmal auch vom jeweiligen Personal an der Maschine ab. In jedem Fall sind die Damen auf den vielleicht zwei Quadratmetern mit Kasse, Kuchenvitrine, Kaffee- und Spülmaschine rasend schnell, wie sich das in einer ordentlichen Espressobar gehört - nur mit dem kleinen Unterschied, dass das Wacker von der Konzeption eigentlich keine Bar, sondern ein kleines enges Einzelhandelsgeschäft mit Sitzecke ist. An der Hinterseite des Raumes befinden sich denn auch einige wenige Stühle und Tische, die im Normalfall von Stammgästen und militanten Frischluftgegnern in qualvoller Enge belagert sind.

In der Regel hat der Cappuccino ein kräftiges Espressoaroma und einen vorzüglichen Milchschaum; der Espresso ist eher intensiv und dunkel - beides wie gesagt konkurrenzlos günstig für 1,70 bzw. 1,40 Euro. Der Latte Macchiato wird in kleiner (1,70) und großer Variante (2,40 Euro) stilecht im Glas angeboten und enthält in beiden Fällen einen Espresso. Vor einiger Zeit entschlossen sich mein Kollege und ich zu einer tollkühnen Mutprobe und bestellten einen doppelten 'Großen Latte'. Dieser steht natürlich wie so manch anderer Sonderwunsch nicht auf der Karte und wird nach Ermessen der jeweiligen Barista immer wieder neu 'kalkuliert'. Wir bezahlten damals 5,- DM, also einen Aufschlag von gerade mal 80 Pfennigen für den zusätzlichen Espresso - fairer geht´s nicht. Vom Milchkaffee (1,95 Euro) und der Flüssigschokolade (1,55) müsst Ihr Euch selbst überzeugen, die habe ich noch nicht probiert. Gleiches gilt für den frischen Kuchen und die belegten Brötchen, welche in der Mittagszeit reißenden Absatz finden.

Die noch nicht so lange existierende Filiale auf der Berger Straße im Stadtteil Bornheim hat übrigens eine liebevolle alte Holzeinrichtung. Eine gut informierte Freundin sagte mir, die Außenverzierungen des Bornheimer Wacker´s und wohl noch ein Teil des Inneren, beides wunderschön, seien noch original erhalten vom vorherigen Geschäft, einem Tabakladen, an den sie sich sogar noch erinnere. In allen drei Läden glaubt sie alles in allem doch einen durchgängigen, möglicherweise "Frankfurter" Kaffeehausstil erkennen zu können.

Also das ist doch mal eine Aussage und als Lokalpatriot werde ich an dieser Stelle bestimmt nicht den Versuch unternehmen, diese schmeichelhafte Bewertung widerlegen zu wollen...

www.wackers-kaffee.de


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