Frankforder Ebbelweiwerdschafde

Der ultimative Führer

Lokalpatriotisch, respektlos und knallhart recherchiert:
Das Zentralarchiv aller von mir getesteten Stöffche-Schankstuben
(Werd ständisch umgeschribbe, es Neueste steht immer obbe unn alles in korsiv werd aach so gesproche.
Merkt Eusch des, Ihr Babbsäck'!).

Bembel Apfelwein Dax
Atschel, Zur
Buchscheer, Zur
Dauth-Schneider
Drei Steubern, Zu den
Dauths Hinnerkopp
Eichkatzerl, Zum
Eulenburg, Zur
Feuerrädchen, Zum
Fichtekränzi
Frank
Frau Rauscher
Gemalten Haus, Zum
Gerbermühle, Hotel
Germania, Zur
Kanonesteppel, Zum
Lorsbacher Tal
Mainlust ‚Desche-Otto‘
Proletariat, Schreiber-Heynes
Rad, Zum
Seppche, Frankfurter Hof
Sachsenhäuser Warte
Schönen Müllerin, Zur
Schneider – Obsthof am Steinberg
Schreiber-Heyne
Solzer
Sonne, Zur
Stalburg, Zur
Struwwelpeter
Wagner, Adolf
Weida, Gaststätte im Blauen Bock

Auswärtsschoppe:
Alte Wagnerei
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Hier gibt's ebbes über’s Stöffche ...

... unn hier über’n Haddekuche

Mainlust ‚Desche-Otto‘ (Schwanheim, Garten, Hegarstraße 1)

Fern vom Trubel, nah am Stöffche

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Denkt mer an Schwanem, kimmt aam immer nur aans in Sinn ... Awwer lasst Eusch gesacht sei: Es gibt nett nur es Seppche! Zu verdanken haben wir diese ultimative Erkenntnis einem kürzlich ans ferne südwestliche Mainufer verzogenen tadellosen Sportsmann, der da meinte: „Isch hätt da en Geheimtipp, da misse mer hie!“

Gesagt, getan, das Rad geschnappt, in die S-Bahn nach Niederrad gerollt und dann mit Vollkaracho durch Bürostadt und Goldstein gebrettert. Kurz hinter der Martinuskirche erstrahlt sie schon, die Mainlust. Unn grad so uff en letzte Drigger seh isch doch de Brezzelbubb an sei’m Kofferraum fuhrwerge: „Was dann? Machste scho' widdä ford? Is doch erst halbacht!“ „Ei isch hab' noch e paa Loggale ... Was willst’n?“ Mit Knuspästang‘ unn Haddekuche sinn mer uff de sischä Seid'. Wer waaß, ob des hier was daacht ...

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Das Schwanheimer Traditionslokal, bereits 1890 eröffnet, wurde erst 2010 revitalisiert, nachdem der frühere Inhaber Otto Desch verstorben war. Die jetzigen Betreiber, Claudia Olinski und Louie Holzinger, letzterer einst Wirt im Bornheimer Buchwald, haben unter dem Motto 'HartKernHessisch' ungewöhnliche Ideen eingebracht, z.B. keltische Abende und ein umfangreiches Angebot an Whiskeys und Obstbränden. Es dominiert natürlich das kulinarische Südhessen. Zum einen der Hausschoppen der Kelterei Hoppe aus Brechen bei Limburg: E fei rund Stöffche, nett so kompromisslos streng wie sonst! Dazu gibt es wechselnde Tagesschoppen verschiedener namhafter Anbieter wie der ehrenwerten Kelterei Nöll von der anderen, der Griesheimer Mainseite. Der erste Eindruck ist gediegen: Gut nachgedunkelte halbhohe Holztäfelungen, alte Frankfurter Stiche, ein gemütlicher Kachelofen und allerlei Gebembel auf den Regalen – so soll es sein. Zu Anfang gibt es eine Runde der berühmten Deggelschers, der mainischen Tapasvariante: Köstliches Ebbelweibrot mit allerlei Hausmacher Worscht, Schmalz, Solber und Handkäs‘. De Mussigger bestell ich grad noch ema so, der hat’s faustdick hinnerm Ohr: Dorsch unn dorsch, beinah zehflissisch mit rode Zwiwwelscher – e Gedischt! Hinnerher die Grie Soß', mer glaabt's bald nett mehr, is die Owwerklass: Schee breiisch mitere kräfdisch Farb'.

Die Entfernung zu den einschlägigen Frankfurter Schobbetempeln hat was für sich: Die Mainlust lebt nahezu ausschließlich von ortsansässigen Stammgästen und kommt gänzlich ohne Touristenscharen aus. Und so bleibt genügend Zeit für die gute Laune beim jungen Service und für die Gitarrenkünste des Wirts.

www.mainlust-schwanheim.de


Apfelwein Dax (Sachsenhausen, Garten, Willemer Straße 11)

42 Zoll im Schilderwald

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Mit der bedauernswerten Verwandlung Alt-Sachsenhausens in ein orientalisches Wasserpfeifenviertel gewinnen die Randlagen zusehends an Bedeutung. Nachdem Schreiber-Heyne sein famoses ‚Proletariat‘ in die Dreieichstraße verlegen musste und der Mietvertrag für das legendäre Stammlokal in der Mörfelder nicht mehr verlängert wurde, rückt auch diese Ecke in den Fokus. Nur wenige Meter weiter in der Willemer logiert der Apfelwein Dax, dessen Existenz mir schon in früheren Jahren in Folge unzähligem Vorbeirennens stets bewusst war, wohin ich jedoch zu meiner Schande dann doch nie den Weg gefunden habe.

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Als ich den traditionellen Gastraum mit Holztäfelung und zahllosen entwendeten Straßen-, Orts- und Firmenschildern betrete, sitzt einer meiner Mitzecher bereits fleißig vor einer Riesenportion Spareripps mit Pommes wie bei Mäckes (13,80 €). Fridde … in ‘ner Ebbelweikneip‘, des muss mer sisch ema überlesche! Frieher hieß des Leidersche unn war gekocht! Dadezu de Baabekjuketschabb‘ extra in de Sossieer. Isch hätt‘ aach gern ebbes unn guck nur noch Baukletz: Was e Mordskadd mit Schnitzelsektion, Worschteck unn Eierabdeilung. Fümpf Seide lang zum Spachtele, aagefange mit'ere Werschingwoch‘ … eschtes Franforder Gemieß, hab isch zuletzt bei maaner Omma gesse! De gebackene Schaafskäs‘ (!), en Mordswatz, is nett vom Rindvieh unn kimmt dann mit ner Salatgarnitur fer saache mer ma vier Persone (8,80 €). Es gegrillte Schäufelsche mit knackische Böhnscher, Speck unn exzellente Bratkaddoffele (12,80 €) erreischt middelfränkische Dimensione. Zuguderletzt: An de Lewwerkneedel mit Hausmannspürree unn handfestem Kraut (10,80 €) gibt’s ema gaanix zu meckern.

De Schobbe (0,3 l 1,80 €) aus de Eischeproduktion war dann awwer schon e bissi grenzwerdisch … uff gar kaan Fall schimmlisch wie die bees Nachbarin säscht, eher mit so'nem iwwergorne Schmackes im Abgang, wenn er wisst was isch maan … Des lischt bekanntlisch an de Jahreszeit unn gibt sisch mi’m Neue garandiert widdä. Heut' korrigiern mer des selber: Vier maa Calvados mit Mispelsche, Herr Obä!

So manches ist im Dax ein wenig anders: So hängt zum Beispiel ein 42-Zoller über'm Tresen und es läuft die Schämpiensliesch mit Gladbach, mer sitze sozusaache in de Ebbelwei-Sportsbar. Ein wenig später am Abend entdecke ich auch noch die Lavazza-Maschine um die Ecke ... dann gibt's für jeden Tisch ein Schälchen Rumkugeln.

www.apfelwein-dax.de


Frau Rauscher (Sachsenhausen, Garten, Klappergasse 8)

Es rauscht am Brunnen

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Und wieder hat es ein Enthusiast gewagt, eine neue Ebbelwoikneipe zu eröffnen. Nachdem 2012 'Dauths Hinnerkopp' in der Großen Rittergasse schließen musste, ist es umso erfreulicher, dass dies an so exponierter Stelle in Alt-Sachsenhausens Klappergasse geschieht, natürlich wie sich das gehört am Allerheiligsten, dem namensgebenden Frau-Rauscher-Brunnen. Jürgen Vieth hat das ehemalige persische Restaurant 'Safran' aufgeräumt und mit netten Frankfurter Utensilien bereichert: Da gibt es die Eintracht-Ecke mit Postern, alten Fotos und Zeitungsartikeln - da fühlt mer sich doch gleich dehaam. An den Wänden prangen überall blaugrauer Bembelornat und jede Menge wischdische Frankforter Weisheite. Der Tresen erinnert noch am ehesten an Werdschaft, während der Rest der Räumlichkeiten aufgrund der erhaltenen Bögen und Säulen der Vorgänger und der für diese Branche unüblichen Lehnstühle ein wenig gewöhnungsbedürftig wirkt. Awwer mer sinn ja nett zum Nörgele hier ...

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Wir werden sogleich kompetent beraten und auf die sortenreinen Spezialitäten von Weidmann & Groh aus Ockstadt verwiesen. Den 'Trierer Weinapfel' hätte ich nicht für ein Streuobstprodukt gehalten, so lieblich und fruchtig kommt er rüber. Der Klassiker 'Bohnapfel' ist da schon eher was für herbe Gemüter. Bei stolzen 3,50 € für solch eine Spezialität ist natürlich das Stielglas obligatorisch. Auf dem herrlich knusprigen 'Oberräder Gärtnerbrot' verteilt sich der etwas zu dünn geratene Kräuterquark – könnt mer aach noch e bissi nachpeffern. Tadellos dagegen der eingelegte Musiker: Hier kommt das frische ausgehobene Bauernbrot mit reichlich Butter zur vollen Entfaltung.

Den regulären Frau Rauscher Speierling vom Possmann sparen wir uns heute, zumal man zum Abschied verspricht, dass es demnächst mit der Hauskelterei losgeht. Da simmer ma gespannt unn singe derweil es Liedsche ...
"Die Fraa Rauscher aus de Klappergass, die hot e Beul am Ei, ob’s vom Rauscher, ob's vom Alde kimmt, des klärt die Polizei."

www.frau-rauscher.com


Zum Feuerrädchen (Sachsenhausen, Garten, Textorstraße 24 )

Weihnachtsfeier

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Ich gebe zu: Die Nummer 3 von der Insellage haben wir in der Vergangenheit immer etwas stiefmütterlich behandelt. Mit anderen Worten, man ist nur dann da rein, wenn 'Germania' und 'Kanonesteppel' brechend voll waren. Auch diesmal erfährt das Lokal nichts als himmelschreiende Ungerechtigkeit, nachdem ich für einen wahnwitzigen Heimspiel-Samstag in der Vorweihnachtszeit ganz Sachsenhausen erfolglos nach einer Reservierung abtelefoniert habe. Immerhin dürfen wir für zwei Stunden spontan bis zum Beginn einer größeren sportkameradschaftlichen Weihnachstfeier einen Tisch belagern. Und geschmeckt hat's auch: Es Handkäsbrot (5,60 €), des Frankforter Schnitzel (10,50 €) unn die Braatkaddoffeln. Ei guut ... de Possmann ... awwer den hamm annern aach. Des wär aach en scheene Abend wor'n, hätte die Volleyballer da nett für 70 Persone des halbe Lokal ... die Säck'!

www.zum-feuerraedchen.de


Zur Atschel (Sachsenhausen, Garten, Wallstraße 7)

Auf der Strafbank

Ein ganz entspannter Feierabendschoppen soll es werden. Die Atschel an sich ist eine ehrwürdige Institution in der Wallstraße und wir haben ein gutes Gefühl, als wir da reservieren. Ohne geht hier scheinbar gar nichts, so begehrt ist dieses Lokal. Aber dann komme ich rein, frage nach meinem Sechsertisch und werde in die hinterste Ecke des Wintergartens an eine bereits gut besetzte Garnitur verwiesen. „Kaa Problem an sisch. Mer setzte uns ja gern dezu, gell.“ denkt sich der Schobbepetzer. Nur passen an die bis an die Mauer gepressten Bänke selbst mit viel Phantasie keine 10 Personen, auch wenn die energische Dame vom Service drauf besteht.

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Glücklicherweise sind wir noch nicht komplett. Als dann unsere Tischnachbarn zum Umzug aufbrechen und wir die Gelegenheit der Bequemlichkeit nutzen, schallt uns sogleich eine Ermahnung entgegen: Die Bänke seien nicht für Jacken und Taschen reserviert, das ist ein Zehnertisch! Hier müssten noch vier weitere Gäste ... Jawoll, ja! Wir haben verstanden und geloben untertänigst Besserung. Abgesehen davon, dass es weit und breit keine Garderobe gibt, ist nun doch das Maß e bissi voll. Derbe und allseits akzeptierte Sprüche in Ebbelweikneipen hören sich etwas anders an als das hier. Und es geht noch weiter: Das eintreffende Schneegestöber und den Handkäs' schieben die neuen Tischnachbarn freundlicherweise eins weiter, da wir zuerst bestellt hatten. Umgehend hagelt es den nächsten Anschiss: Wir (!) hätten einfach die Vorspeisen der anderen genommen und nun müssen wir (!) auf unsere warmen Gerichte leider lange warten! Das ginge von der Küchenlogistik nicht anders, die wir (!) durcheinander gebracht haben. Vorsätzlich natürlich. Ach so … Strafe muss sein.

Noch während wir verzweifelt unsere Schuld und die tiefere Logik dieser Aussage zu ergründen suchen, bringt die andere Kollegin prompt unser Essen. Ebbe langt's! Was en sinnlose Heckmeck! Mädscher, entspannt Eusch ema’!

Und dann sind wir angenehm überrascht: Feine Kässpätzle, deftiger Wurstsalat, die bereits erwähnten Frankfurter Kaltgerichte, knackiges Schnitzel mit hausgemachter Grie Soß’ ... unn die Braatkadoffeln ... – alles sehr frisch, schmackhaft und qualitativ auf hohem Niveau. Ganz zu schweigen vom runden, süffigen, beinahe säurearmen Schoppen. Schon fast was für Ebbelweinovizen … Als dann auch noch unsere Bedienung schlagartig einen freundlicheren Ton anstimmt und ständig neue Bembel anschleppt, sind wir beinahe geneigt, allen Ärger runterzuspülen.

Aber mal im Ernst: Nach einem solch missglückten Einstieg sind auch schon Gäste auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Und all das nur Zwecks Umsatz bis zum letzten Zentimeter? Hat das ein renommiertes Lokal nötig?

www.atschel-frankfurt.de


Schreiber Heynes Proletariat (Sachsenhausen, Abtsgäßchen 8)

Vorwärts mit Tradition

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Die Neueröffnung einer klassischen Ebbelwoiwerdschaft an sich und darüber hinaus auch noch in Sachsenhausen ist ein solch weltumspannendes Ereignis, dass eine erfurchtsvolle Würdigung dringend anzuraten ist. Der Ableger vom Schreiber-Heyne scheint mit seinem revolutionären Konzept "Neue Ideen im altbewährten Look" allerdings auch voll beim ordinären Frankfurter einzuschlagen. Selbiger iss e bissi grobb, geht dann unn wann zur Eintracht, zeischt des aach gern in Form von em Adler uff’em T-Shirt unn is vor allem kaan Schobbeverächter. Auf jeden Fall ist es gleich am Dienstag abend nach Weihnachten brechend voll, als wir hier zu fünft einfallen. Ein bunt gemischtes, relativ junges Publikum mit überraschend vielen Kindern lümmelt sich auf den alten Holzbänken und -tischen herum – sind halt Ferien und wir hamm’ unsere ja auch dabei.

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Das alte gemütliche Gerümpel hat Betreiber Roman Schmidt-Peccolo in Ostdeutschland eingesammelt und damit den vormaligen 'Royal Bombay Palace', viele Jahre eine der ersten Adressen indischer Küche in Frankfurt, neu möbliert. Ein paar Kronleuchter und Stuck an der Decke, roter Dielenboden und ein Hirschgeweih komplettieren das famose Ensemble. Das Ergebnis ist wirklich überzeugend: Selten so ein gelungenes rustikales und zugleich authentisches Ambiente erlebt, da nimmt man doch gerne ein paar Anlaufschwierigkeiten in Kauf. Die beiden netten Herren vom Service wurden nämlich vom Riesenandrang kalt erwischt und es dauert erst ema e Vertelstund und cerka acht wohlwollende Zunicker bis mer en feine Rothenbücher Bembel unn de Rest an de Mann gebracht hamm.

Noch besser kommt’s, als die Speisen doch relativ zügig nachgeschoben werden: Während mein Nachbar schon genüsslich seine zwei (!) Riesenschnitzel mit Griie Soß’ auf Bratkartoffeln (€ 11,50) kaut und Junior die Nürnberger vom Kraut (€ 7,20) aufliest, sitz' ich vor meinem Vorspeisenteller (€ 6,50) unn wart uff’s Brot … unn wart. Der Kollesch, der’s versproche hat, hammer nemmer gesehe. Nach einer gefühlten halben Stunde hat dann endlich der zweite Servicebevollmächtigte ein Einsehen und bringt die ersehnten Scheiben in knackfrischer Handkäsqualität. Aber sei’s drum: Geschmacklich ist alles prima auf gewohntem Schreiber-Heyne-Niveau: Schneegestöber, Kräuterquark unn Musiker gehn nunner wie Öl. Kein Wunder: Die Kadd’ ist bis ins Detail identisch.

apfelweinwirtschaft-proletariat.de


Alte Wagnerei (Mühlheim am Main, Sommergarten, Zimmerstraße 5)

Feinkost an de Brickemiehl

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Als auswerdisch verschlaachener Frankforder geht mer aach gern ema vor Ort zum Schobbe … Seit 1999 kann man das nämlich auch im Zentrum der Mühlenstadt zwischen Steinheim und Rumpenheim. Damals baute Walter Kaiser das ursprünglich als Wagnerei genutzte Backsteingebäude komplett um. Ganz in der Nähe der intakten Brückenmühle an der idyllischen Rodau liegt es inmitten eines Gartengrundstücks. Das Innenleben wurde entkernt, komplett neu aufgebaut, an der Ecke mit einem überdimensionalen Turmerker versehen und im typisch hessischen Stil eingerichtet. Obbe im Kolleesch trifft sisch die Logaalprommenenz – Parteie, Geschichtsverein, Schuljahrgäng’ usw. – gern zum Tratsch. Seitdem hat die immer unter dem gleichen Namen firmierende Wirtschaft mehrere Pächter gesehen. Der letzte, Georg Koppenhöfer vom Frankfurter Hof in Bergen-Enkheim, führt seit Anfang 2011 das Zepter.

An diesem Freitagabend stehen wir erstmals in unserer Wagnerei-Karriere Schlange – dass mer des noch erlebe derffe! Nach 10 Minuten wie bestellt und nett abgeholt – der Schobbepetzernachwuchs schon äußerst unleidlich, will wieder weg – bekommen wir vom schwer beschäftigten, aber aufmerksamen Service endlich einen Tisch zugewiesen. Wir ordern den für solche Häuser üblichen Getränkestandard („Habt’er aach en klaane Bembel?“), auch wenn in diesem abgelegenen und schwierigen Außenposten selbstverständlich an alle Geschmäcker gedacht wurde (Biere, Weine, Spirituosen). Der Schobbe (1,60 €) in der Wagnerei ist wie seit eh und je zugekauft, denn für Selbstkeltereien an diesem Ort fehlen die Kapazitäten, das sehen wir ein. Awwer wesdeweesche gibt’s de Possmann im ordentlische Null-Dreier unn zum selbe Preis nur Null-Zwo-Fümpf vom Höhl? Was will ei’m des saache?

Die Speisekarte ist mit gutbürgerlich treffend umschrieben. Als typisch zum Ebbelwei geht allenfalls der Handkäs’ und die Grie Soß’ durch. Uns interessieren jedoch die feineren Talente der neuen Mannschaft. Die Schwäbischen Kässpätzle an brauner Jus mit Röstzwiebeln (8,- €) sind frisch gemacht, reichhaltig und kernig. Die Kinderschnitzel mit Pommes äußerst fair kalkuliert (5,- €), trotzdem ausreichend, frisch und knackig und werden selbstverständlich mit Ketchup serviert. Das gebratene Zanderfilet (14,50 €) kommt auf den Punkt perfekt gegart. Das zugehörige Rahmsauerkraut, mal eine willkommene Abwechslung, habe ich in solcher Finesse bislang in keiner anderen Ebbelwoikneipe erlebt: Fruchtig-feine Säure mit Sahne verblüffend abgerundet – ein Gedicht! Das Kartoffelpüree kann natürlich in diesem Rahmen wie nicht anders zu erwarten nur hausgemacht sein.

Wer hätte das gedacht: Unter der Regie von Georg Koppenhöfer setzt die altehrwürdige Wagnerei zu einem erstaunlichen Qualitätssprung an. Bleibt nur zu hoffen, dass das oftmals schwierige Mühlheimer Publikum das auch honoriert, denn es warten noch einige interessante Leckereien, wie die gefüllten Maultaschen und das Handkäs-Schmand-Brot darauf, degustiert zu werden… Die Sommersaison im aufgefrischten großzügigen Gartenbereich ist jedenfalls erstmal gerettet.

www.altewagnerei.de


Zum Gemalten Haus (Sachsenhausen, Wintergarten, Schweizer Straße 67)

De ganze Käs' uff aama

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In unmittelbarer Nachbarschaft zum hippen Wagner hält sich ein Refugium feinster Frankfurter Küche und edelster Trinkkultur mit grundehrlichem Preis-Leistungs-Verhältnis. Wie es der Name schon sagt: Innen und außen ist alles bemalt, dafür das Publikum nicht so bunt und im Schnitt doch älter als bei der Konkurrenz.

Grund genug, endlich mal wieder dort einzufallen in die an diesem Dienstag Abend brechend vollen Hallen. G’rad' noch so ans letzte Tischeck im ansonste komplett reservierte hinnere Kollesch hiegeplanzt. Unn da kimmt se aach schon, die Kellnerei: Eine der bretthärtesten der letzten Jahre, wie sich noch heraus stellen sollte. Wir fragen wie üblich nach dem kleinsten Bembel und bestellen Einzelschoppen (€ 1,60), da es hier erst beim Zehner losgeht. Schö mild isser, hausgekeltert, süffisch, gut verträschlisch, so dass die erste drei nur so fort laafe. Da guckt er uns schon so schebb aa, de Axel …

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Es folgt die große Käseprobe. Was dann kommt ist schon mal erlesen: Alles hausgemacht. De Kochkäs (€ 4,50) kaa bissi babbisch, sonnern in bester Konsistenz frisch aagerührt mit Zwiwwelscher unn Kümmel - in der Qualideet noch nett ema uff em Markt zu hawwe. Auch de Spundekäs (€ 4,50) erlese! Awwer de Hammer isses Brot: Es beste seit, seit ... rischdisch, seit’em Weida! So was von knackisch außerum unn backfrisch innedrin. In Frankfurter Ebbelwoilokalen leider keine Selbstverständlichkeit mehr.

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Mir bestelle noch e paar von dene einzelne Gläsjer unn hole uns endlich de verdiente Aaschiss: "Ebe wart er, isch habb da jetz en Disch! Derft er nett so viel saufe!". Die Nachbarn aus den neuen Bundesländern haben ihre helle Freude: Krie’n Häppscher mit Spundekäs geschmiert, alles exaktemeng erklärt unn sinn abgesehe dadevon baff, was mer alles beim Dünnschiss babbele uff e Stücksche Brot schmiern kann, denn mir sinn jetzt beim aagemachte Gervais (€ 4,50), dem ganz große Klassiker zum Ebbelwei (unn leider nur noch selten zu hamm). Richtig, das ist der Bekannte aus der Kühltheke. Alles, was in Frankfurt nach Frischkäse klingt, trägt diese Bezeichnung. Es Schweizer Käsbrot zuguuderletzt is nett nur escht, sonnern gewaldisch: Cerka 200 Gramm original Emmendaler fier grad ema 5 Eurone. Mehr Käsbrot geht nett!

De Axel is zum Schluss trotz saache und schreiwe seschzeh' Schoppe’ aach ganz versöhnlisch: "Es nächste Ma nemmt er gleisch en Bembel, Kerlle!"

www.zumgemaltenhaus.de


Dauth-Schneider (Sachsenhausen, Sommerterrasse, Neuer Wall 7)

Die Rache des Abendlandes

Wahrscheinlich steht der Dauth-Schneider - eine DER Sachsenhäuser Institutionen schlechthin - in jedem japanischen Reiseführer nach Oberammergau, Hofbräuhaus, Neuschwanstein und Rüdesheim an fünfter Stelle der Weltwunder der Neuzeit. Lustig wird’s besonders dann, wenn unsere ahnungslosen Gäste aus dem Fernen Osten einschlägige Ratschläge hinterhältiger Zecher am Nachbartisch brav befolgen und tatsächlich das saure Stöffche mit schmerzverzerrtem Gesicht in sich hineinkübeln, weil angeblich ab dem vierten Gerippten (=bei Zuchthausandrohung ausschließlich für Ebbelwoi bestimmtes Rautenglas) der Wohlgeschmack sich einstellen würde. Kommt dann noch der Brezelbub (= reisender Laugengebäckverkäufer) und dreht ihnen seine versalzenen Kostbarkeiten an, dann steigt der Durst ins Unermessliche.

PICT3255 Knallharte Holzbänke ohne Lehne und ebensolche Holztische auf Holzdielen, an den Wänden zünftige Gemälde umrahmende Holztäfelungen, am Tresen ein hölzerner Wirt, die Kellner kein Deut weicher, sondern original und überaus kompromisslos:
Kellner (überheblich): „Was wollt’ern hawwe?“
Gast 1 (unterwürfig): „Also ich hätt gern ein Pils...“
Kellner (entschlossen): „So was gibt’s hier nett!“
Gast 2 (mutig): „Einen Sauergespritzten bitte.“
Kellner (genervt): „Isch bring Eusch ’en Bembel!“
Gast 3 (nassforsch): „...und mir ein Wasser.“
Gast 4 (kleinlaut): „Haben Sie auch....“
Kellner (verärgert): „Wenn Ihr wisst, was’er wollt, komm isch noch e’ma widder!“
Der Faulenzer (= großer Schwungbembel an der Theke, damit de Wert nett so hebe muss!) im permanenten Akkordeinsatz, sekundenschnell servierter Handkäs’ und die zentrale Lage im Herzen Alt-Sachsenhausens machen dieses Lokal zur Topempfehlung.

Ja, so war des ema ... als mer noch unbeschwert zum Schobbe ging und genau gewusst hat, was Sach' is. Awwer des is bald widder zeh Jahr' her. Unn jetz? Da hibbe lauder junge Medscher rum, fraache ständisch, ob's aach Rescht is odder noch ebbes sei derf. Krieht mer denn in Frankfort nett ema mer en ordentlische Aaschiss fer sei Geld? Völlisch irrediert kimmt mer gar nett zum Trinke. Unn wasses hier jetz all gibt: Woi unn Bier! Unn e dick Speisekadd, da waas mer gar nett, wo mer aafange soll. Naa, de Dauth-Schneider is aach nett mer des, was er ema war. Aan aanzische vererrte Jabbaner hawwe mer gesehe - selbst die hawwe's schon gemerkt.

Gewiss, die Wirtschaftskrise erfordert Kompromisse in der Gastrronomie, wenn einer überleben will. Aber manchmal ist zuviel einfach weniger. Das Matjesfilet nach Hausfrauenart war einfach geschmacklos und ist z.B. im "Weida" um Klassen besser zu haben. In der Jägersauce verbarg sich allerhand Fertigware, so wurde mir berichtet. Der Handkäs' hingegen war in Ordnung: Schön durchgezogen mit reichlich fein gehackten Zwiebeln in fruchtigem Apfelessig, jedoch mit leider nicht mehr frischem Brot. Der Schoppen ist nach wie vor tadellos, was zeigt, dass man als alter Stammgast dann doch lieber bei den Klassikern bleibt.

www.dauth-schneider.de


Schneider – Obsthof am Steinberg (Nieder-Erlenbach, Garten, Am Steinberg 24)

Kerlle, is des schee hier!

De Errsinn: Da fährt mer unn fährt unn steht uff amaa mitte obbe am Hang uff de Streuobstwies‘, sescht sisch ‚Des gibt’s ja nett‘ unn is immer noch in Frankfort!

Der Kelterei- und Ausschankbetrieb von Andreas Schneider im ländlichen nordöstlichen Stadtteil ist in mehrerlei Hinsicht ein Unikum in der Mainmetropole: Zum einen der einzige, der seine Rohstoffe aus ausschließlich kontrolliert biologischem Anbau bezieht, zum anderen nennt er 13 Hektar naturbelassene Streuobstwiesen sein eigen und produziert zudem neben konventionellen Misch- sprich Hausschoppen für den alltäglichen Gebrauch (2,- € de Liter zum Mitnehmen) auch noch vorzügliche Jahrgangs- und sortenreine Weine in Geschmacksnuancen, wie man sie sonst nur aus der klassischen Traubenweinverkostung kennt.

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Doch der Reihe nach ... Man kommt nach einer Auffahrt am oberen Ende des Steinbergs an und fällt praktisch vom Eingang direkt in den Hang hinein. Dabei ist Vorsicht angeraten, denn man bewegt sich unter niedrigen Ästen der Bäume hindurch bis zu seiner schattigen Garnitur, natürlich nicht ohne sich zuvor am Tresen mit dem Notwendigsten versorgt zu haben (Selbstbedienung). Bei uns ist es erstmal der Hausschoppen zu 2 € (0,25 l), dazu dreierlei Ziegenkäs‘ (9 €) und ein vorzüglicher naturtrüber Apfelsaft für die Kinder (2,50 € für 0,25 l). De Schoppe hat eine wunderbar frische fruchtige Säure. Später kommt noch ein Apfel-Quitten-Cuvee hinzu, welches weitaus sanfter daher kommt und für Einsteiger und weniger derbe Geschmäcker eine vollwertige Alternative darstellt.

Nach den ersten Eindrücken stellt sich der Hunger ein und man dotzt beim Rückweg zur Theke dann doch mit dem Hirn an de Ebbelbaum. Die Ziegenkäsevariation enthält einen wirklich umwerfenden Münster, einen Camembert und ein paar halbfeste Schnitten mit einwandfreiem Sauerteigbrot von Denningers Mühlenbäckerei in Bernem. Die Jungs hauen jeder eine Bratwurst weg, die hier neben der üblichen Mischung auch als Gourmetvariante vom Lamm auf der Kadd steht. Pommes gibt’s trotz Genöle nicht, dafür tut’s dann halt eine Tüte Ökokartoffelchips.

Den Höhepunkt bildet jedoch die Kurzverkostung feinster Jahrgangs- und Sortenweine im angeschlossenen Hofladen: Der sortenreine halbtrockne Jonagold (6,5%, 6,50 €) ist ungewöhnlich mild, aber ein wenig flach. Da wäre aber noch das halbtrockene Bohnapfel-Cuveé (4%, 7 €) von 2009 mit einem umwerfenden Mostbucket, der fast trockene Monsieur Albert (2009, 5%, 8 €) und Mein lieber Scholli (2009, 5,5%, 12 €), ein Streuobstwiesenverschnitt aus spätreifen Früchten und daher viel Restsüße bei gleichzeitig hohem Gerbstoffgehalt. Allesamt sind sie ideal für jeden, der mit dem traditionell sauren Schoppen ein Problem hat. Wir beschränken uns an diesem Abend aufgrund des überreichen Angebots nur auf die stillen Varianten, aber es sei erwähnt, dass ebenso Perl- und Schaumweine sowie Cidre im Angebot sind.

Zugegeben: Für Ebbelwoi schon deutliche Preise, aber angesichts des aufwendigen Herstellungsprozesses (sortenrein, ökologisch, handverlesen) durchaus angemessen.

www.obsthof-am-steinberg.de


Zu den drei Steubern (Sachsenhausen, Dreieichstraße 28)

Ohne Umständ‘ zur Sach‘

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An einem sonnigen Mittwoch abend Ende März entschließe ich mich voller Enthusiasmus zu einem Fußmarsch vom Gallus über das neue funkelnde Westhafenviertel an den Mainufern entlang nach Alt-Sachsenhausen. Der Ausblick auf die Skyline vom Holbeinsteg und vom Sachsenhäuser Ufer ist atemberaubend und dabei merke ich gar nicht, wie aus Richtung Westen eine nahezu schwarze Wolkenfront bedrohlich auf mich zu rollt. Kurz vor der Dreikönigskirche gerade noch in eine Bushaltestelle geflüchtet, bevor es anfängt, wie aus Kübeln zu gießen.

Punkt acht beginnt der Schoppenanstich in den Drei Steubern und es hört und hört nicht auf. Da hilft nur Augen zu und durch. Wie ein begossener Königspudel komme ich in der Dreieichstraße an und steuere erst mal die sanitären Einrichtungen an: An der Wand eine altertümliche Bedürfnisrinne, liebevoll flankiert von 76er Fliesenbarock. Wie beruhigend, wenn in einer Kneipe 35 Jahre lang einfach mal nichts verändert wird ... Ich bücke mich unter das Heißluftgebläse am Waschbecken bis die Grundfasson meiner Frisur wieder hergestellt ist – zumindest so weit, dass keine peinlichen Rinnsale mehr übers Gesicht laufen.

Im rechteckigen Gastraum empfangen mich spartanische Holztäfeleien, zwei tragende Säulen und eine beachtliche Bembelgalerie über dem Ausschank. Die einzig zulässigen Flüssigkeiten in diesem Lokal gehören ins Gerippte (wohlfeile 0,3 l für 1,50 €) und sind von beachtlicher Qualität: Der angeblich nur für Hartgesottene geeignete Schoppe wird seit 56 Jahren von Wolfgang Wagner eigenhändig gekeltert und glänzt mit eher zurückhaltender Säure bei gänzlich fehlender Restsüße und leichter naturtrüber Andeutung. Ein handgeschöpfter Gödderdrobbe!

Die Kadd: DIN A5 und ferddisch! Eine knappe enge Zeile mit Preis für jedes Gericht, ebenso verhält es sich mit den Getränken auf der Rückseite. Hier hält sich keiner mit langatmigen, blumigen Beschreibungen auf: Schnickschnackfilet in Heckmecksauce auf Firlefanzschaum ... Wer braucht so was in einer Ebbelwoiwertschaft? Hier sind bekanntlich kulinarische Kreationen auf das Allernotwendigste reduziert – Frankfurter Molekularküche wenn man so will. Wenn da steht Weinkäs‘, dann kommt auch einer: Klein und rund und nackt und ehrlich (2,60 €). Allenfalls mit Brot und Butter, aber nur wenn’s so da steht.

Neber‘m Rippsche lischt es Kraut und sonst nix. Letzteres überzeugt mit einer selten derben Note und ist nichts für Anfänger. Die Worscht ist vom Rind oder vom Blut, sieht auch genau so aus und schmeckt nach Hausmannskost. Als Unikum präsentiert sich der Presskopp‘ in Bratworschtform. Keiner am Tisch kann sich erinnern, so was schon mal gesehen zu haben. Dann steh'n da noch Wasserweck (welscher Bäcker traut sisch des heutzudaach?) unn e Gewörzgork rum – alles brav einzeln bestellt und selbstverständlich ohne jegliche dekorative Schnörkelei.

Zum Abschluss folgt die Pflicht: De Musiker (2,50 €) kommt schwer dorschgezooche daher, zwiwwellastisch, wenn nett sogar -scharff unn reischlich Kimmel druff. Das mindestens ebenso bedeutsame Brot ist erfreulicherweise auf den Punkt frisch: Auße knusprisch, inne klebrisch.

Die stets aufmerksame Kellnerei, eher traditionell humorlos, lässt zum Schluss mit einer tadellos zügigen Abrechnung keinen Zweifel aufkommen, worauf es ankommt. Nur wer heut' nett kommt, is de Brezelbubb.

Indernet gibt's hier nett!


Frankfurter Hof Seppche (Schwanheim, Garten, Alt Schwanheim 8)

Middachsruh’ am Vadderdaach

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Christi Himmelfahrt! Ordentlisch Radtour gemacht, wie sisch des geheert und endlisch e'ma spontan da eigekehrt, wo mer grad dran vorbeifährt. Habe mir die kleine Stadtteiltour West mit Alt Griesheim, Schleuse, Alt Schwanheim, Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne, Niederrad bis Königsbrünnchen vorgenommen und das 'Seppche' liegt zur rechten Zeit günstig auf dem Weg.

Gleich neben der alten Schwanheimer Schule, dem heutigen Heimatmuseum, wurde das Lokal 1933 in einem bereits damals 183 Jahre alten Gebäude von Josef Safran eröffnet und behielt bis heute dessen Spitznamen als Zusatz. Sehr vorausschauend platziert der Fahrradständer direkt vorm Eingang – Dank an die Stadtverwaltung! Man passiert die Vorderfront des leider bis heute nicht freigelegten Fachwerkbaus und steht auch schon im Innenhof, welcher sich bei Bedarf auch wetterfest machen lässt und von einer mächtigen Kastanie und noch einem weiteren fetten Baum beschattet wird. Dafür krümelt's halt e bissi uff'em Tisch, na ja ... Drumherum gruppieren sich umfangreiche rustikale Räumlichkeiten im urigen Ambiente.

Zum heutigen Feiertag gibt's zumindest mittags eine reduzierte Tages- und spezielle Spargelkarte. Der Schoppen – natürlich radlergerecht sauer gespritzt – kommt umgehend für freundliche 1,40 € vom Außenausschank, sprich Außenbembel und erfrischt mit dezenter Säure und leicht herber Note. Für den zweiten langt dann ein kurzer Heber mit Fingerzeig Richtung Kellnerin und prompt steht er da. Das Publikum dürfte sich zum überwiegenden Teil vor Ort zu Hause fühlen, so auch die beiden älteren Damen am Tisch, genüsslich Zigarettsche paffend.

Ich entscheide mich heute mal nicht für die typisch hessische Küche und nehme die gegrillte Lachsschnitte mit Kartoffeln und Blattspinat (9,50 €). Vorneweg kommt aber unaufgefordert eine deftige Fleischbrie mit Eilaach – Karotten, Nudeln und ein paar Suppenfleischbrocken. Höflich wie ich bin, probier ich natürlich, auch wenn solche Rindserzeugnisse gar nicht mein Fall sind: Das Ergebnis ist tadellos. Echte Hausmannskost, so hat das früher bei meiner Omma auch geschmeckt. Der Fisch kommt dann wirklich schön kross und auf den Punkt gegart an einer wahrhaft phantastischen Sauce Hollandaise. Die Salzkartoffeln sind brandneu, absolut zart wie Butter und sehr cremig im Geschmack. Nicht zu glauben, was man mit entsprechender Ware und Zubereitung aus einer so einfachen Beilage zaubern kann. Der Spinat, nicht ganz farboptimiert, da schon etwas ins oliv abgedriftet, ist gerade noch so bissfest – können die Italiener natürlich besser.

Natürlich hat das Seppche auch das volle Programm der Frankfurter Küche parat, was ich bei einem früheren Besuch schon erleben durfte. Es sei auf die Webseite mit Karte am Ende verwiesen.

Gelegentlich muss man hier mit einer zünftigen musikalischen Überraschung rechnen – Betreiber Winfried Gerber ist da schwer engagiert. Habe hier schon mal einen Gesangsverein erlebt, auch Oldie-Bands treten regelmäßig auf und das Orchester aus der Nachbarschaft kommt gerne zur Blasmusik vorbei. Der Wirt geht schon mal rum und reserviert mit handgeschriebenen Namensschildchen die Tische für den heutigen Abend.

Das Seppche ist darüber hinaus keine reine Ebbelwoikneipe, sondern glänzt ebenso mit einer Auswahl feiner Biere: Andechs, Duckstein, Köstritzer, Schneider Weisse, Aventinus, Lorscher und Augustiner. Hätte man hier niemals vermutet.

www.frankfurterhof-seppche.de


Zur Schönen Müllerin (Bornheim, Garten, Baumweg 12)

Prinz Possmann

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„Nett im Traum! Wer Possmann, der putzt!“ hammer früher immer gesacht. Heut' war's dann aber doch so weit ...

Die 'Schöne Müllerin' im Baumweg zwischen Berger Straße und Sandweg, Nähe Friedberger Anlage und Zoo liegt mitten im Wohngebiet und ist für Laufkundschaft nicht ganz so einfach zu finden. Dabei gilt die Wirtschaft als eine der ältesten in Frankfurt: Gegründet 1896 von Hermann und Johanna Müller als Kelterei mit Gaststätte blieb sie bis 1968 ein reiner Familienbetrieb und entwickelte sich zu einer echten Institution. Ein mächtiger Frankfurter Adler über dem Eingang sorgt schon mal für allgemeines Wohlwollen. Der heutige Chef Torsten Dornberger, gleichzeitig Vorsitzender der 'Vereinigung der Äpfelweinwirte Frankfurt und Umgebung e.V.' sowie seines eigenen Karnevalsclubs und diesjähriger Frankfurter Faschingsprinz, führt seit über zwanzig Jahren erfolgreich das Zepter.

Aber was um aller Welt bringt einen solch engagierten Wirt dazu, freiwillig Industrieschoppen auszuschenken? Unheilvolle geschäftliche Verstrickungen mit einem Großkonzern? Die Bembelmafia? Oder hat einer der berüchtigten Ebbelwoi-Hedgefonds gar die Müllerin geschluckt? Vermudunge – nix Genaues waas mer nett.

Auf Nachfrage wird uns tatsächlich bestätigt, dass es sich um einen speziell für das hiesige Lokal gekelterten Hausschoppen handelt. Für 1,50 € das Glas (0,25 l) schmeckt er auch ganz akzeptabel und hat nicht all zu viel gemein mit der Plörre vom Getränkemarkt.

Die kunterbunte Speisekadd' hingegen passt so gar nett zu den sonst nüchternen verbabbten Kladden in Ebbelwoikneipen. Neben einer Fülle ur- und neuhessischer Kreationen haben auch Schmankerl wie Schafskäse, Graved Lachs und Kartoffeltaschen ihren Weg dorthin gefunden. Nicht zu vergessen ein frei zusammenstellbarer Kinderteller für sage und schreibe 3 € – vorbildlich! Ma' rechne: Wenn mer dadevo drei Stück nimmt, is mer aach satt ...

Wir bleiben aber bei der regionalen Küche und sind neugierig, was sich denn hinter dem 'Hessische Obatzde' verbirgt. Für 6,80 € kommt ein Landbrot mit grob gewürfeltem Handkäs' in saurer Sahne, Gurken und Zwiebeln auf den Tisch – drumherum Tomaten- und Feldsalatdeko. Klingt unspektakulär, aber der Handkäs' hat's in sich: Porentief durchgezogen, herzhaft reif, rund und weich, kein bisschen trocken – einer der Besten, die ich seit langem kosten durfte. Das Brot könnte man lieber dazu reichen, was der Knusprigkeit der Kruste spürbar zu Gute käme. Hinterher hätte ich gerne noch gewusst wie es sich nach dieser angenehmen Überraschung mit dem klassischen Musiker (2,40 €), der Königsklasse im Milieu, verhält, muss aber leider mit dem üblichen Standard Vorlieb nehmen: Klaaner trockener Harzer, korz vorm Servier'n die Soß' dribber, ferdisch und schad'. Zwei bis drei Daach eigelescht schmeckt dann doch um Welten besser.

Die Offenbarungen am Rest des Tisches lassen jedoch den kleinen Fauxpas schnell vergessen. Das Hessenschnitzel (12,80 €), gefüllt mit Äpfeln, Sauerkraut und Speck, überbacken mit Käse und mit einem fulminanten, leicht geschäumten Apfelweinsößchen abgerundet schlägt ein wie die Bombe. Der Kartoffelbrei, gleich auf mehreren Tellern richtig platziert, schmeckt selbst zerdrückt und wurde mit anständiger Muskatnote versehen. Dann ist auch das Sauerkraut meist nicht weit: Fruchtig mit leichter Apfelnote. Ebenso findet die Grie Soß' mehrfach den Weg als Dreingabe zu Ochsenfleisch (13,50 €) und Fleischkäs' (7,80 €) an den Tisch: Schön breiig und nicht flüssig, wie so häufig wenn mit Sahne und Majo gepanscht wurde, dafür aber leichte Säure von der Zitrone und im Vordergrund die Kräuteraromen, so wie's sein muss.

Ganz was Feines und Unübliches ist auch der mit Kräutern marinierte und knusprig gegrillte Schweinebauch.

Eine Vielzahl an weiteren interessanten Kreationen können wir an diesem Abend nicht probieren: u.a. gebackener Camembert, Spundekäs', Kochkäs', Gänseschlegel, Herrenpuffer u.v.m. Nicht zu vergessen die Ebbelränzjer: Hab' ich zuletzt vor knapp 30 Jahren bei meiner Omma gegessen! Aber so schnell wird uns der Torsten nicht los ...

www.schoene-muellerin.de


Gaststätte Weida im Blauen Bock (Bornheim, Saalburgstraße 36)

Lebbe geht Weida

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Unn schon widder simmer fündisch gewordde, abseits von dene üblische Hochborsche: An dere Einmündischung von de Neeb- und de Heide- in die Saalborschstraß’, von auße schwer auszumache, wesche dem funzlische Lischt – odder is des Absischt damit’s die unwillkommene Krakeeler nett finne duun?

Als ich die übersichtliche Stube betrete und mich hinpflanze, erschlägt mich gediegenes 70er Jahre Ambiente vom Feinsten: Karierte Tischdeckchen, Fassattrappe direkt im Kreuz und im Anhang der Speisekadd’ original Fotos der Wirtsleute aus deren besten Zeiten. Die Wirtin Brigitte, heutzutage gut beieinander, sitzt seelenruhig bei Gästen am Tisch und babbelt – absolut stressfreie Umgebung hier. Nach einigen Fuchteleien können wir sie zur Aufnahme einer Bestellung bewegen. Und da trifft uns gleich der erste Schock: Des Brot is all!

Nach Schilderung unseres entbehrungsreichen Durstmarsches durch den eisigen Nachtfrost von der Stalburg im Nordend (siehe unten) bis hierher erbarmt sich die Chefin dann doch zwei Scheibscher aus der eisernen Notreserve locker zu machen und es reicht immerhin noch fürs Schneegestöber (5,- €). Das kommt dann als handzerdrückter reifer Camembert mit feiner Zwiebelwürze und ... die Bettelei hat sich gelohnt ... mit phantastischem Bauernbrot, auße ofeknusprisch, inne backfrisch-klebrisch!

Aufgrund der schon erwähnten Grundnahrungsmittelknappheit fällt die zweite Wahl auf die Matjes nach Hausfrauenart (6,50 €), butterzart mit Sauerrahm, gehackte Ebbelscher, Görkscher, Zwiwwelscher unn herzhafte Pellkartöffelscher – ein Gedicht!

Der selbstgekelterte Hausschoppen setzt dieser Fülle von Offenbahrungen die Krone auf: Mild, dezente Säure, rund, süffig! Kleiner Wehrmutstroppe: Es gibt nur Industriegerippte (0,25 l). Aber selbst aus dene Betrüschergläsjer schmeckt des Stöffche ...

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Im Laufe des Abends wirft mich der unvermeidbare Gang zur Herrenbedürfnisanstalt nochmals um Jahrzehnte zurück: Waschgarnituren, Sammelpissoir und Fliesen im Edelgilb. Ein alter Frotteebademantel hängt einsam wie zu einem Stilleben arrangiert am vergessenen Kleiderständer. Draußen vor dem Männerklo der antike Handtuchautomat – inzwischen liebevoll mit Topfpflanzen dekoriert, damit bloß kaaner uff die Idee kimmt, die geforderte 10 Pfennisch nei zu werfe.

Irgendwann verschwindet die Wirtin im benachbarten Kollesch. Durch die geöffnete Tür wabern Nebelschwaden und wir erhaschen einen kurzen Blick ins Raucherdomizil. Hier wurde scheinbar an alles gedacht.

Wochen später falle ich erneut und diesmal verstärkt um mehrere Zecher in diese Festung hessischer Gastlichkeit ein. Diesmal sind die hochgelobten Matjes all („Die hawwe se an Silvester weggebatscht!“). Dafür gibt’s Brot in ausreichenden Mengen, genug für einen wunderbar herzhaften, durchzogenen Handkäs’ mit vorzüglicher Musik, reichlich Butter (2,90 €) und ein Schweizer Käsbrot (4,10 €). Bei der Tischnachbarschaft wabert die Griie Soß’ kräftig grün und in musiger Konsistenz aus ihrem Schälsche, ganz wie dehaam aus’em eischene Fleischwolf. Auch diverse Schlachterzeugnisse (warme Presskopp, Blutworscht, Rippsche etc.) stammen aus eigener Produktion.

Zu vorgerückter Stunde – die anderen Gäste sind schon gegangen – setzt sich Brigitte schließlich zu uns an den Tisch und läuft nach einer leicht unvorsichtigen Frage bezüglich der Ebbelwoikönigin an der Wand zu absoluter Hochform auf. „Des uff dem Bild is nämlisch die Dochter vor fuffzehn Jahr’n gewese ... was simmer rumkomme. Eiladung im Römer gab’s aach ... stand isch da ... ging uff aa ma so e Diier in de Wand uff ... da saße zwaa beim Esse unn hawwe bleed geguckt. Iwerall hammer Zeusch kriieht ... Unn geschäftsfördernd war des aach – immer breschend voll de Lade!“ Der Monolog dauert etwa eine halbe Stunde und wir kommen aus dem Schenkelklopfen nicht mehr heraus.

Der heutige Wirt Günter Wolf entstammt selbst der Gründerfamilie Weida, welcher wir diese Perle der Bernemer Ebbelwoikultur aus dem Jahre 1912 zu verdanken haben. Ein echter Geheimtipp.

Der Bademantel hängt übrigens immer noch da ...

Speisekadd gibt's uff'em Disch!


Zur Stalburg (Nordend, Glauburgstraße 80)

Theater beim Essigverkoster

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Zunächst überrascht hier die ungewöhnliche Kombination: Ebbelwoi, Handkäs’ und Theater. Das gibt es so in Frankfurt kein zweites Mal. Die eigentliche Schankstube besteht aus einem nahezu quadratischen Raum mit ordentlicher Patina, wahllos zusammen gestückeltem Mobiliar und gemütlichem gußeisernem Ofen in der Mitte. Das gleichnamige Theater liegt neben dran und ist durch eine Verbindungstür zu erreichen. Gelegentlich sitzt dann die Kellnerin, die einem eben noch den Schoppe’ gereicht hat dort hinter dem Tresen und verkauft Tickets für die nächste Vorstellung.

Da wir hier jedoch Ebbelwoiwerdschaften unter die Lupe nehmen, lassen wir den Kulturbetrieb mal außen vor. Nicht alltäglich in Kneipen dieser Art ist auch die Ecke am hinteren Ende des Lokals. Einige abgegriffene Kartons mit Gesellschaftsspielen der traditionelleren Art (Halma, Dame, Schach) warten darauf, zum Zocken mit an den Tisch genommen zu werden. Nach Klärung der Platzfrage („Da is ab acht reserviert!“ „Mäscht nix, mer zieh’n dann um!“) entscheiden wir uns für ein kleines Herrengedeck: Zwei Einzelschoppe’ plus Schneegestöber und Solei. Der Camembert ist ordentlich gereift, gabelzerdrückt und mit feiner Zwiebelnote versehen: Auf jeden Fall gehobener Durchschnitt. Das Solei ebenfalls tadellos, wenn man bei solch natürlichen Zutaten der Frankfurter Küche überhaupt was falsch machen kann.

Mer sinn so am Babbele unn es Lebe kennt so schee sei, awwer uff a mal kimmt’s: Der Ebbelwei ... kerlle naa ... was is dann des? En gemeingefährlische Aaschlaach uff die Geschmacksnerve is des! Umgekippt isser und mir sinn froh, dass mer nett gleisch en ganze Bembel von dere owwerfiese Brieh geordert hawwe.

Angeblich ein Selbstgekelterter, vermutlich aus dem 93er Faß in de Waschküch’ ... Bei einem solch elementaren Fauxpas bleibt uns nur die Flucht nach Bornheim.

Theaterseite: www.stalburg.de


Adolf Wagner (Sachsenhausen, Wintergarten, Schweizer Straße 71)

De Yuppie entdeckt de Schoppe – isch glaab’s nett...

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Was soll man dazu noch sagen? Adolf Wagner war der erste, der Frankfurts Werbeleuten, Jungbankern und -brokern auch in solch rustikalem, etwas angegilbtem Ambiente ein Gefühl von Selbstsicherheit gab. Dazu wurden solche Annehmlichkeiten wie Apfelschampus, beheizter Warmduschergarten für die fröstelnden Wintertage und eine um leichter verdauliche Häppscher erweiterte Speisekarte kreiert. Böse Zungen behaupten, das hätte der Wagner wesche de Meedscher gemacht: Dene is uff de Bank zu kalt, de Ebbelwoi zu sauer unn de Handkäs zu schtinkisch. Gar furchtbar laut ist es immer noch, wie in jeder holzgetäfelten Einrichtung dieser Art. Der Erfolg gibt dem Wagner recht: Der Laden ist seit Jahren brechend voll, weil sich keiner erlauben kann, nicht mindestens einmal pro Woche im Wagner gesehen worden zu sein. Meines Wissens ist diese Kneipe die bislang einzige, die den Schoppen auch an die armen Loser ausschenkt, die ab 18.00 Uhr nur noch einen Stehplatz ergattern konnten. Aber wehe dem, der den rigorosen Kellnern nicht den Gang freihält...

www.apfelwein-wagner.com


Zur Germania (Sachsenhausen, Garten, Textorstraße 16)

Im Tempel der Glückseligkeit

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Die Germania macht ihrem teutonischen Namen alle Ehre und führt den Zusatz „uff de Insel“ im Namen. Damit gemeint ist die Lage etwas abseits von Alt-Sachsenhausen zusammen mit zwei weiteren Traditionslokalen in einem Häuserblock (Kanonesteppel, Feuerrädchen). Feinste vergilbte Holztäfelungen, Wandgemälde von Wirtshauszechereien, alles in einem viereckigen ohrenbetäubend lauten Raum mit knüppelharten Bänken, selbstverständlich ohne Lehne. Der Kontakt zu den babbelnden Tischnachbarn ist aufgrund der körperlichen Nähe und der zungelösenden Wirkung des Schoppen meist schnell hergestellt. Und als ob das nicht genug wäre, zelebriert man hier die wohl skurrilsten Adventsfeiern Frankfurts, wenn der lederbeschürzte Wirt in der Vorweihnachtszeit seine Laterne im Stundentakt über die Theke zieht und das überfüllte Lokal die zuvor verteilten Gesangestexte auspackt und im Chor zu „Der Mond ist aufgegangen“ ansetzt. Wie dem Türschild zu entnehmen ist, zählt man sich stolz zur Vereinigung der hessischen Ebbelwoikeltereien. Das hat weitreichende Folgen: Wenn im Herbst der erste Süße (sprich: Siiße, für Nicht-Frankfurter: Apfelmost) ausgeschenkt wird, sitzt das Ebbelwoivolk von Hibbde- und Dribbdebach glückselig und ignorant ob der durchschlagenden Wirkung vor seinem Glas und weiß, das der Rauscher (das Pendant zum Federweißen) nicht mehr weit ist.

www.zur-germania.de: Mit Videofilm!


Hotel Gerbermühle (Oberrad, Garten, Deutschherrnufer 105)

Auf Goethes Spuren

Hier nahm nicht nur manche Sauftour von Johann Wolfgang sondern auch die Invasion der Rhein-Main-Yuppies auf Frankfurts Ebbelwoi-Institutionen ihren Anfang. Die Lage weitab jeglicher Wohngebiete direkt am Mainufer unter alten schattigen Bäumen lud schon vor Jahrhunderten zu Ausflügen per Pedes oder Kutsche ein. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist diese Enklave im Grenzgebiet zum verpönten Offenbach nur äußerst umständlich zu erreichen. Bei schönem Wetter bricht der Garten aus allen Nähten, die Parkmöglichkeiten sind erschöpft, mitunter kann man dann bei Sonderwünschen ans überforderte Personal sein blaues Wunder erleben. Trotzdem sind die Preise für Grundnahrungsmittel wie Schoppe und Handkäs noch im Lot. Sehenswert ist auch das historische Innere des alten Landhauses und Hotels.

www.gerbermuehle.de


Zur Sonne (Bornheim, Garten, Berger Straße 312)

Der Sonne entgegen und verdurstet

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Einer der größten und schönsten Gärten in Frankfurt und das alte Fachwerkensemble im oberen Teil der alterwürdigen Bernemer Berger Straße ziehen im Sommer die Massen an. Unter alten schattigen Kastanien lässt es sich gut zechen. Mit dem Herannahen der Sperrstunde (in Frankfurt derzeit 23.00 Uhr im Freien) beginnt allerdings wie in den meisten Gärten das rabiate Herauskegeln der Gäste. Zu Beginn der Freiluftsaison ist es noch ganz nett hier, das Personal ist noch frisch und gut gelaunt. Mit dem Anstieg der Außentemperaturen und der Zunahme des Durstes verlieren die studentischen Aushilfskellner zuweilen vollends den Überblick und die Nerven und es kommt zur unvermeidbaren Katastrophe: Man wird einfach vergessen! Wartezeiten von bis zu einer knappen Stunde auf den Schoppen bei Vollbesetzung des Gartens und Hofs habe ich schon erlebt. Spätestens dann ist die Grenze der Leidensfähigkeit vollends überschritten, auch wenn an dem zugekauften Stöffche nix auszusetzen ist. Die Speisekarte ist akzeptabel (Handkäs’, Schneegestöber, Bernemer Käsbrot, Rippche mit Kraut, Rindswurst, Grie Soß’ u.a.) und ordentliche Nebenräume für private Feiern sind obendrein in dieser Stadt eine Seltenheit.

www.zursonne-frankfurt.de


Struwwelpeter (Sachsenhausen, Garten, Neuer Wall 3)

Kriegserklärung aus dem Hofbräuhaus

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Von der Einrichtung würde man meinen, es handele sich um eine echte Ebbelwoikneipe. In froher Erwartung lässt sich der Schoppepetzer am Tisch nieder und bestellt entschlossen das Standardgedeck: „12er-Bembel, Flasch Wasser unn die Kadd, awwer schnell!“ Nach einigen forschenden Blicken zu den Nachbartischen stellt sich langsam ein befremdliches Gefühl ein: Stehen da etwa Maßkrüge mit Bier herum, laut Reklameschildern an der Wand zu allem Überfluss auch noch Löwenbräu? Frevel! Wenn’s wenigstens Henninger wäre... Die Bedienung ist auch irgendwie viel zu freundlich für eine ordentliche Ebbelwoikneipe. Und als ob das noch nicht genug sei, fängt irgendwann ein Alleinunterhalter an der E-Orgel an, bayrisches Liedgut zu schmettern (Schüttel!). Welch ungeheuerliche Entgleisung! Fehlt nur noch die Gabel zum Handkäs’, dann ist der Schrecken perfekt. Nun ja, auch der literarische Struwwelpeter hat es ja bekanntlich mit der Moral nicht so genau genommen... Den lautstarken Freunden von der anderen Seite des großen Teichs scheint es in der Gaststube jedenfalls großen Spaß zu machen: Deutschland kompakt in einem Wirtshaus, wie praktisch, very nice! Frollein, where can I buy some Lederhosen and a Kuckucksclock?

Der Schoppe allerdings kommt, wie es sich gehört, im 0,3l-Gerippten für (noch) unter 3,- DM und ist von ehrlicher Güte. Ansonsten Durchschnitt.

www.struwwelpeter-frankfurt.de


Zum Rad (Seckbach, Garten, Leonhardsgasse 2)

Mit’em Rädsche zum „Rad“

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Nach einer herrlich verschwitzten Radtour am Vatertag über den steilen Berger Hang und durch das wilde Naturschutzgebiet Seckbacher Ried hindurch steigt der Durst bekanntlich ins Unermessliche. Was liegt da näher, als die rettende Einkehr am frühen Abend, sagen wir mal 14.00 Uhr, in die Gartenwirtschaft „Zum Rad“ im einzigen Dorf auf sicherem Frankfurter Stadtgebiet. Die vielen alten Fachwerkhäuser Seckbachs am Fuße des geliebten Lohrbergs erinnern eher an eine kleine Wetteraugemeinde und zur ländlichen Idylle passt dann auch hervorragend dieses weitläufige, fast zweihundertjährige Lokal. Durch ein enges Tor betritt der Radfahrer kurz vor dem Kreislaufkollaps mit hochrotem Kopf den riesigen geschlossenen Innenhof mit seinen großzügigen Abstellplätzen und rd. 350 Sitzplätzen. Fleißige Kellner/innen schleppen die schweren Bembel bis ins hinterste Eck, an den Tischen sitzen schon die ersten Herrenrunden im Schatten von uralten Kastanienbäumen und schmettern zünftige Lieder, passend zu ihrem Ehrentag. Auch an Regen- und Wintertagen ist man in der historischen Gaststube mit Holztäfelungen und Kachelofen bestens aufgehoben. Zum ordentlich selbstgekelterten Hausschoppen (0,3 l DM 2,60) gesellt sich eine für die Ebbelwoiszene ungewöhnlich umfangreiche Speisekarte, wo von typischen Frankfurter Spezialitäten wie Rippchen, Haspel, Leiterchen, Stich, Leberknödel, Matjes, Handkäs’, Schneegestöber über Internationales wie Schnitzel-, Lendchen- und Steakvariationen bis hin zu Spezialitäten wie Wild und frischem Fisch einiges geboten wird. Selbst die Wein- und Biertrinker werden nicht völlig auf dem Trockenen sitzen gelassen, obwohl sie es aus der Sicht überzeugter Schoppenfreunde natürlich verdient hätten. Aufgrund der außerordentlich schönen Lage sei dem Wirt dieser ansonsten im Zentrum Sachsenhausens unakzeptable Verstoß gegen die guten Sitten verziehen.

Redaktionelle Ergänzung

Mittlerweile (2008) wurde das komplette „Rad“ renoviert und umgebaut, so dass meine obigen Ausführungen zum Teil leider der Vergangenheit angehören. Dem alterwürdigen Gebäudeensemble wurde ein roter, für meine Begriffe zu knalliger Anstrich verpasst. Aber Farben sind häufig Geschmackssache. Dass man jedoch einen Teil des schönen Innenhofs modernen verglasten Wintergärten geopfert hat, ist unentschuldbar. Auch das spartanische alte Hoftor mit der schmalen Einstiegstür musste einer Verglasung weichen. Die für ein abgelegenes Ausflugslokal inzwischen auffällig zahlreichen Gäste mit angelsächsischer Zunge im Smart Casual Dress der Geschäftsleute lassen nichts Gutes für den Freund urbaner Gastlichkeit erahnen. Hier wurde wieder einmal ein altes Stück Frankfurter Tradition dem schnellen Kommerz geopfert.

www.zum-rad.de


Weitere Lokale

Zur Buchscheer (Sachsenhausen, Garten, Schwarzsteinkautweg 17)

Die ehemalige Stammkneipe aller Zigarre paffender Großväter (auch meines) aus der benachbarten Kleingartenanlage hat sich im Rahmen der Eroberungszüge Frankfurter Vergnügungsscharen zum In-Treff gewandelt. Eigene Kelterei und sehr abgelegen.

www.buchscheer.com

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Zum Eichkatzerl
(Sachsenhausen, Garten, Dreieichstraße 29)

Etwas abgelegenere, jedoch sehr geräumige Lokalität im klassischen Holzdesign, freundlich-neckische Bedienung (!). Geben sich viel Mühe, hätten mehr Gäste verdient.

www.eichkatzerl.de


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Frank
(Nordend, Weberstraße 72)

Der Name stammt noch von den Gründern und Vorbesitzern. Aufmerksamer Service: Das Glas für die Nachzügler kommt unaufgefordert! Wechselnde Tagesgerichte und prima Kässpätzle.

www.apfelweinfrank.de


Zum Kanonesteppel (Sachsenhausen, Garten, Textorstraße 20)

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Wenn’s in der Germania mal wieder voll ist, geht man einen Hof weiter. Auch hier liegen im Herbst die ausgepressten Teppiche aus Apfeltrester vor der Tür und verströmen einen ländlichen Duft im geschäftigen Frankfurt. Klassische hessische Küche (Rippche, Leiterche, Kraut, Kartoffelbrei, Rindswurst, Grie Soß, Handkäs mit Musik, Schneegestöber usw.) und Selbstgekelterter.

www.kanonesteppel.de


Lorsbacher Tal (Sachsenhausen, Garten, Große Rittergasse 49)

Sehr touristisches Etablissement im Herzen von Alt-Sachsenhausen. Trinkbarer Schoppen und zivile Preise, da genügend Konkurrenz im Umkreis.

www.lorsbacher-tal.de


Sachsenhäuser Warte (Sachsenhausen, Garten, Darmstädter Landstraße 279)

Inmitten der alten Gemäuer des ehemals vorgelagerten und inzwischen vom Verkehr umtosten Wachpostens (dazu gehörten auch die noch existierenden Gallus-, Berger und Friedberger Warten) kann man lärmgeschützt einen gepflegten Schoppen zu sich nehmen.

www.sachsenhaeuser-warte.de


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Fichtekränzi
(Sachsenhausen, Garten, Wallstraße 5)

Für eine Ebbelwoiwirtschaft wird eine wahrhaft ausgefallene Speisekarte geboten: Muscheln, Filets, Pfifferlinge, Spargel und allerlei französischer Schnickschnack – kein Wunder, konnte man doch den Koch aus der Atschel abwerben. Selbst eine ordentliche Auswahl an Traubenweinen fehlt hier nicht, so dass auch resistente Schoppenverächter noch einen netten Abend verbringen können.

www.fichtekraenzi.de


Solzer
(Bornheim, Garten, Berger Straße 260)

Noch eine zentrale Abfüllstation für die von der Trockenheit so arg geplagten Bernemer. Von außen nicht so einladend wie die weiter oben liegende Sonne, aber aufgrund des einheimischen Publikums wesentlich authentischer.

www.solzer-frankfurt.de

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Unn die sinn zu:


Dauths Hinnerkopp (Sachsenhausen, Garten, Große Rittergasse 53-59)

Romadur mit Brot und Butter

Nicht zu verwechseln mit dem weitaus bekannteren „Dauth-Schneider“, auch wenn weit zurückreichende verwandtschaftliche Beziehungen aufgrund der beidseitigen gärtnerischen Vergangenheit vermutet werden können. Seit 1971 logiert hier die aus einem Küferbetrieb hervorgegangene Wirtschaft und seitdem wurde auch an der Inneneinrichtung eher wenig verändert. Angesichts des aktuellen Rauchverbots in Gaststätten wäre dies auch keine gute Idee, denn die in Ebbelwoilokalen identitätsstiftende Vergilbung dürfte ohne die Mithilfe erkaltenden Zigarrenqualms nicht rekonstruierbar sein. Auch die dekorativen Hirschgeweihe und Spruchtafeln entstammen einer besseren Zeit, in der es zwar sonst nix gab, es aber für’n Schoppen immer gelangt hat. Wie üblich wird die gesundheits- und vor allem verdauungsfördernde Wirkung des Stöffches gepriesen. Schlüpfriges gesellt sich zu Plattem. Nur als Mitzecher Daniel pflichtbewußt das Thema aufnimmt und „vom Gallus-Günther seiner Gischt“ berichtet, wirkt der Kellner sichtlich irritiert.

Die Speisekarte – dem Namen entsprechend ein doppelseitig bedrucktes und eingeschweißtes Blatt. Eine Handvoll warme und ebenso viele kalte Speisen aus der Frankfurter Küche, dazu der Hausgekelterte (0,3l – 1,50 €), deutsche Weine und – leider immer öfter, aber im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit wohl unvermeidbar – Bier.

Zum wesentlichen. Der überaus zuvorkommende Mitsechziger vom Service ist schnell bei de Sach: „Was derf’s denn sei, die Herrschaftde?“ „Mir nemme ma so’n Bembel unn e Flasch Wasser.“ „Achter?“ „Naa ... Zwölfer, sonst laafe se ja so viel.“ „Unn mi’m Esse wart’ Ihr noch?“ „Ja mir warte noch, komme noch welsche...“ „Kei Problem, so in e Vertelstund?“ „Ja sischer, in e Vertelstund!“ Wie gesagt: Ein Tick zu freundlich. Ist immerhin eine Ebbelwoiwerdschaft hier und da kommt der Kellner einmal und hätte gerne in einem Satz die komplette Bestellung - ohne Dazwischenquatschen. Alles andere wirkt aufgesetzt.

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Fünf Minuten später ist der gute Mann auch schon wieder da. Eine der Tagesempfehlungen auf dem liebevoll dilettantisch bekrizelten Teller aus Mutters Anrichte: Romadur mit Brot und Butter (3,50 €). Hatte mer zuletzt geleschentlisch bei de Omma. Den gab’s wesche der Ausdünstunge nur in de Küch – dauerhaft gelagert auf der Außenfensterbank. Und da kommt er auch schon: Brikettform mit rötlicher Schimmelrinde. Drumherum, stets die Übersichtlichkeit bewahrend, knapp zwei Längsviertel Gewörzgörkscher, ebbes Zwiwwelringelscher und zwei absolut unverzichtbare Minibretzeln. Im Korb zwei Scheibscher Schnittbrot und exaktemeng ei Päcksche Butter. Der Hesse mag beim Essen keinen Firlefanz, sondern klar vorhersehbare Arbeitsabläufe und unmissverständliche Zielvorgaben. In diesem Fall: Romadur-Brot. Also Butter verschmiert, vollständig in Scheiben zerlegten Käse lückenlos plaziert und Zwiebeln gleichmäßig obenauf verteilt, ferddisch. Es versteht sich von selbst, dass auch in diesem Fall eine Gabel gänzlich fehl am Platze wäre.

Hinterher soll’s noch ein Schneegestöber (4,00 €) sein – sozusagen die Königsklasse der kalten Küche im Ebbelwoimilieu. Daran erkennt man die wahre Handwerkskunst oder eben lieblose Fließbandproduktion. In diesem Falle eindeutig ersteres: Vermengt wurde hier ein echter und vor allem reifer Camembert mit reichlich Zwiebeln, allenfalls leicht abgerundet, aber nicht erschlagen vom edelsüßen Paprikapulver – zwei dekorative Salzstengelscher obligatorisch. Brot wird ungefragt nachgeliefert, als Knappheit droht. Wirklich tadellos, so muß es sein.

Zum puristischen Interieur gibt es auch die passende Webseite: www.dauths-hinnerkopp.de. Lageplan, Panoramablick aus dem Sommergarten und Speisekarte! Hier wurden alle Möglichkeiten der modernen Technik konsequent genutzt ...

Redaktionelle Ergänzung

Leider hat Wilhelm Dauth sein Traditionslokal im Januar 2012 geschlossen, nachdem er keine Perspektive in Alt-Sachsenhausen mehr sah. Schad', widder aaner wenischer ...


Zur Eulenburg (Bornheim, Garten, Eulengasse 46)

Das Ende einer Hochburg

Sommergarten
Ehemaliger Sommergarten

Eulenburg
'Eulenburg' im Mai 2008

Die Berjer Straß' enuff zu dabbe und irgendwann in eines der Traditionshäuser einzufallen war lange Zeit unsere liebste Tour im lustigen Dorf. Während jedoch 'Solzer' und 'Sonne' quasi auf dem Weg lagen, wurde das Auffinden der 'Eulenburg' im Gassenwirrwarr stets zu einer neuen Herausforderung. Hier war der aale Bernemer gern unter sich – Auswärtige oder gar Touristen verirrten sich kaum hierher. Wurde ihr vielleicht dieser Umstand zum Verhängnis? In jedem Fall durfte diese Kneipe bis zum Schluss als Geheimtipp gehandelt werden. Beinharte Bedienung, gnadenlose, awwer nie bees gemaante Scherze auf Kosten der gerade gegangenen Tischnachbarn, jenseits jeglicher Political Correctness: "Kerlle naa, die Neescherweiwer hawwe awwer aach Ärsch!" Knappe Speisekarte und eine auf das Wesentliche, den Schoppen, beschränkte Getränkekarte – so musste es sein! Während die zentral gelegenen Alt-Sachsenhäuser Wirte schon vor Jahren begannen, sich den Geschmäckern ihres mehr und mehr jüngeren und internationaleren Publikums anzupassen, Bier auschenkten oder gar Gabeln zum Handkäs' reichten, herrschte in der 'Eulenburg' bis zum Ende stoische Ordnung und gepflegte Knoddrigkeit. Den stets mürrischen und aus unerfindlichen Gründen gerade nicht abkömmlichen Kellner zur Bestellung zu bewegen war ein beinahe hoffnungsloses Unterfangen. Sollte man es gewagt haben, zuerst die Initiative zu ergreifen, bewahrte einen selbst ein nahezu leerer Gastraum nicht vor dem verdienten Anschiss: "En Aacheblick e'ma, habt er's widder eilisch odder was?"

Die gesundheitliche Verfassung von Vater Dirk war der Auslöser für das Aus unter den Wirtsleuten Henze. Betrachtet man jedoch die angespannte wirtschaftliche Lage in der Szene der traditionellen Ebbelwoiwerdschaften, dann dürfte auch die vergebliche Suche nach einem Nachfolger mit ausschlaggebend gewesen sein. Im Gegensatz zur 'Eulenburg' war das 'Weida im blauen Bock' erfolgreich und hat im selben Jahr gerade noch einmal die Kurve gekriegt.

Umbau
'Eulenburg' nach dem Umbau


Schreiber-Heyne (Sachsenhausen, Sommergarten, Mörfelder Landtraße 11)

Neulisch uff’em Haamwesch

Mer glaabt’s beinah nett: Da dabbe se als die Mörfelder enuff, bewesche sisch gefährlisch nah Rischdung Offebacher Stadtgrenz unn uff aamal gibt’s reschterhand rückversetzt noch en letzte Schoppe. Völlig unscheinbar steht’s da, das kleine Häusi von 1880 mit Vorgarten und mächtiger Platane zum Drunterhocken. Der Schreiber-Heyne wurde einst wie oft als Straußenwirtschaft von einem Sachsenhäuser Gärtner gegründet.

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Innen drin ist’s Freitag abend und brechend voll mit Publikum der angenehmeren Sorte – weit und breit keine Yuppies und Krakeler. Die Dekoration – e bissi annerster als gewohnt: Statt flächendeckenden vergilbten Holztäfelungen hängt hier ein Bilderrahmen neben dem anderen. Allerlei Showgrößen von Vico Torriani über Heinz Schenk bis hin zu Filmstars der 50er sind darin verewigt, dazu Unmengen alter Frankfurter Stiche und ein Hirschgeweih mit Lebkuche’ – es gibt viel zu entdecken.

Noch vor den letzten beiden freien Plätzen fällt die quer am Leuchter über’m Stammtisch platzierte Eintrachtfahne ins Auge: Tiefe Genugtuung empfindet der Bodenständige. Wahrlich keine schlechte Methode, um ungebetene Gäste aus der unsäglichen Nachbarschaft abzuschrecken.

Wir ordern einen kleinen Fünfer, man war ja schon vorher im Fichtekränzi. Laut Karte Rothenbücher aus dem Kahlgrund, also kein Selbstgekelterter. Schmeckt aber trotzdem und ist auch bald leer, so dass noch mal eine Runde Einzelschoppen (1,50 €) fällig wird. Zwischedrin kommt de Brezelbub und hat ema widder kaan Haddekuche. Und dann grinst der aach noch ... Auch die aufbrechenden Damen vom Nachbartisch teilen unsere berechtigte Empörung. „Es liecht halt e bissi außerhalb!“ würde man als Ausrede noch gelten lassen. Aber mittlerweile passiert einem das überall und ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass unser allerliebstes Gebäck heimlich aus dem Programm genommen wurde ... Dann gibt’s nach einem flehenden Hilferuf an die Küche eben noch den obligatorischen Späthandkäs’ mit Musik und wohldosierter Kümmelhaube (2,50 €, siehe Bild) und alles ist gut.

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Im übrigen beschränkt sich die Speisekarte auf eine äußerst strenge Auswahl der Frankfurter Küche.





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