Das Nizza im alten Glanz
Vor einigen Monaten begann die Frankfurter Stadtverwaltung damit, im Zuge des Wiederbelebungsprogramms der innerstädtischen Mainufer einen kleinen Abschnitt im nördlichen Bereich zwischen Untermainbrücke (Höhe Schweizer Straße – Willy-Brandt-Platz) und Holbeinsteg (Höhe Städel) neu zu gestalten. Der Volksmund hatte diesem Park schon vor langer Zeit aufgrund seiner exotischen Gewächse den Namen „Nizza“ gegeben. Noch in den zwanziger Jahren gab es an beiden Ufern öffentliche Mainbadeanstalten (!), welche mit unzähligen Palmen in großen Töpfen dekoriert waren. In der Nähe der alten Brücke sind die Terrassen mit den Liegewiesen für die Badegäste zum Teil noch erhalten. Alte Filmaufnahmen gewähren dem ungläubigen Betrachter Einblick in ein fröhlich brodelndes Strandleben vor den Umkleidekabinen – angesichts der Verödung weiter Abschnitte der Mainufer kaum vorstellbar.

Mammutbaum
Mammutbaum

In Anlehnung an das Erscheinungsbild bis zum Beginn des 2. Weltkriegs wurden nun erneut mediterrane und asiatische Pflanzen liebevoll arrangiert. Auf engstem Raum finden wir junge Setzlinge von Olivenbäumen, Bananenstauden, Korkeichen, Kiwis, Fächerpalmen, Japanmispeln, Feigen, Zitronen, Zypressen und üppig wuchernde Kräuterbüsche wie Salbei, Rosmarin und Thymian – ein kleiner Bruder des Palmengartens für die vorbeiziehenden Flaneure. Im Unterschied zu damals sind diesmal alle Neulinge direkt in den Mutterboden verpflanzt worden, um sie an Ort und Stelle zu überwintern, was mit weniger Arbeits- und Kostenaufwand verbunden ist. Zusammen mit den bestehenden Magnolien, Eukalyptus- und Mammutbäumen aus dem letzten Jahrhundert gewähren diese Neupflanzungen einen eindrucksvollen Einblick in die Botanik des subtropischen Raumes.

Magnolie
Magnolie

Bereits vor 130 Jahren hatte Frankfurts Stadtgärtner Andreas Weber (1832-1901) damit begonnen, das ungewöhnliche und verblüffende Mikroklima in Folge des Schutzes der hohen Kaimauer vor den eiskalten Nordwinden im Winter, der unverbauten Sonnen- und Wärmeeinstrahlung vom Süden und der ausgleichenden immerwährenden Feuchtigkeit des Flusses auszunutzen. Nach dem Krieg hat man aus Kosten- und Geschmacksgründen einheimischen Hölzern den Vorzug gegeben – der traditionelle Charakter des Nizzas war dahin. Dies ist ein erster Anfang der historischen Neubesinnung und wenn die Neugestaltung ein Erfolg wird, so ist geplant, weitere Uferabschnitte im Osten zu bepflanzen. Jedoch sollten die Stadtväter und -mütter den derzeitigen Pächter des benachbarten alten Nizza-Lokals mit entsprechendem Druck auf die Konzession dazu bringen, solche unwiederbringlichen Jugendstilkleinode wie den Grindbrunnen von 1921 nicht als billige Müllabladefläche zu missbrauchen.


Botanisch interessierten auswärtigen Gästen empfehle ich neben dem ‚Pflichtprogramm’ Palmengarten und diesem Geheimtipp auch den Besuch des chinesischen Gartens im Bethmann-Park (Ecke Berger Straße/Friedberger Landstraße) und einen rund einstündigen Rundgang durch die weitgehend erhaltenen Wallanlagen um Frankfurts Innenstadt herum mit zahlreichen Denkmälern und historischen Bauwerken, wie dem Tanzcafé Odeon.

Palmenoase
Palmenoase






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