Häuser in Silves Häuser in Silves

Häuser in Silves

Frühling im Algarve

Frühling im Algarve


Titel


Oder: Ein zwiespältiges Vergnügen

Im Frühsommer 2000 reiste ich nach 1990 und 1993 zum dritten Mal nach Algarve. Viele der positiven und negativen Schilderungen aus anderen Reiseberichten kann ich Euch bestätigen. In den vergangenen zehn Jahren hat eine geradezu explosionsartige Bauwut stattgefunden und weite Landstriche, die bei meinem ersten Besuch vor über 10 Jahren noch einen idyllischen Eindruck machten, mit Ferienanlagen, Golfplätzen, Megasupermärkten, Wasserparks und Automobilhandel zersiedelt.

Zur Information: 1990 landete ich damals aus Unwissenheit in Quarteira, einem völlig gesichtslosen künstlichen Konglomerat aus Appartementhochhäusern und überdimensionierten Durchgangsstraßen, nichts als eine Satellitenstadt, die ihren alten winzigen Dorfkern erdrückt, jedoch mit weitläufigem feinen Sandstrand. Als ähnlich abschreckend empfinde ich das einst mondäne Praia da Rocha (Klein-Benidorm) mit seinen zahlreichen Bauruinen und einfallslosen Appartementbunkern und neuerdings auch Armaçao de Pera. Wem's gefällt ...

Fischerkneipe in Alvor Strand von Alvor
Fischerkneipe in Alvor
Strand von Alvor

Zwischendrin gibt es aber immer wieder Orte, die ihre Ausstrahlung weitgehend bewahrt haben. Dazu gehört Alvor in unmittelbarer Nachbarschaft zu Praia da Rocha und Portimao, wo ich 1993 drei Wochen verbringen durfte – ein echtes gewachsenes Fischerdorf mit unverbautem Zentrum und einigen der besten Fischerkneipen der Region. Der natürliche Hafen in einem Mündungsdelta wird zur Zeit zu einer Yachtanlegestelle ausgebaut (*Schreck*). Überhaupt hat sich die Zahl der Kneipen und Läden innerhalb der letzten sieben Jahre nahezu verdoppelt. Trotzdem, so meine ich, ein immer noch empfehlenswertes Ziel, da der traditionelle Ort sehr kompakt bebaut ist und nicht einfach mit neuen Hotelanlagen zugepflastert werden kann. Absolutes Highlight neben dem gerade in den Abendstunden idyllischen Hafen ist der etwas weiter vom Ort entfernte rd. 3,5 km lange Sandstrand, welcher in Richtung Osten in bizarren Felsformationen endet. Aber auch hier muss man wie überall in Portugal mit den nicht immer angenehmen Wassertemperaturen und zum Teil heftigen Strömungen des Atlantik rechnen. Hier stehen übrigens die einzigen Appartementhochhäuser von Alvor: Torralta Beach – scheußlich! Wer zum Baden will, muss daran vorbei. In Richtung Westen läuft der Strand nach einigen Kilometern an einer Flussmündung aus. Dieses Teilstück ist nur zu Fuß zu erreichen und daher entsprechend dünner besucht.

Strand von Alvor

Strand von Alvor

Klippen von Algar Seco, Carvoeiro Klippen von Algar Seco, Carvoeiro

Klippen von Algar Seco, Carvoeiro

In Carvoeiro, einem weiteren alten Fischerdorf, war ich zuletzt für zwei Wochen. Bereits vor sieben Jahren haben mich die wunderschöne Lage der Häuser links und rechts am Hang über einer winzigen natürlichen Bucht und die der Mondoberfläche nicht unähnlichen Felsauswaschungen von Algar Seco fasziniert. Während der letzten Jahre haben vor allem deutsche Investoren um das eigentliche überschaubare Dorf herum einen Ring von zum Teil luxuriösen Appartement- und Villensiedlungen gelegt. Manche davon werden nach dem berüchtigten Time-Sharing-Prinzip vermarktet – nicht unbedingt mein Fall, aber ich war nur als normaler Pauschalreisender eingemietet. Der eigentliche Ortskern wurde zumindest im Bereich des winzigen Strandes mit einer künstlichen Plaza und überflüssigen Parkplätzen verschandelt. Von der kleinen Schiffswerft – 1993 noch ein beschaulicher Anblick – ist so gut wie nichts mehr zu sehen. Ansonsten stimmt aber die Infrastruktur für einen angenehmen und gepflegten Urlaub.

Von einer seit rd. 10 Jahren in der Nähe wohnenden Freundin wurde uns Ferragudo als Ziel zum Ausgehen empfohlen: Ein wirklich unverfälschtes portugiesisches Küstendorf mit einfachen Kneipen und wenigen Touristen, durch die Flussmündung vom Zugriff durch den Moloch Portimao/Praia da Rocha verschont.

Kirchenportal in Monchique Haus in Monchique
Kirchenportal in Monchique
Haus in Monchique

Wer etwas vom Algarve sehen will, kommt um einen Mietwagen nicht herum, denn die Linienbusse verkehren überaus langsam und unregelmäßig. Nur wenige Kilometer landeinwärts hat man auf einmal freie Sicht in die Natur und die Grenzen gewachsener Ortschaften sind endlich wieder klar zu erkennen. Empfehlenswert sind natürlich die Altstadt und die maurischen Burganlagen von Silves, das geschäftige Handelszentrum Loulé, die Bergdörfer in dessen Umgebung und das verschlafene ursprüngliche Städtchen Monchique. Das mondäne Kurbad Caldas de Monchique mit seinen Jugendstilfassaden wird zur Zeit vollständig restauriert – hoffentlich wird es wieder so idyllisch wie vorher. Ein Muss ist nach wie vor Sagres und Capo Sao Vicente, obwohl mich diesmal fast der Schlag getroffen hat, als ich den Leuchtturm ansteuerte: Zahlreiche Touristenbusse umgeben von einer Art Jahrmarkt mit nutzlosen Verkaufsständen und deutscher Würstchenbude.

Felsformationen an der Ponta da Piedade Felsformationen an der Ponta da Piedade

Felsformationen an der Ponta da Piedade

Zu guter letzt darf Lagos nicht unerwähnt bleiben: Eine wahrlich pulsierende, gewachsene und historisch bedeutsame Stadt, von wo aus unzählige Überseeexpeditionen in Portugals imperialer Glanzzeit unternommen wurden. Die gleichnamige nigerianische Millionenstadt wurde nach ihr benannt und das traurige Kapitel des organisierten Sklavenhandels ist untrennbar mit Lagos verbunden. Überall künden Baudenkmäler und prachtvolle Häuserfassaden vom früheren Reichtum dieses einst bedeutsamen Hafens. Nachtaktive Urlauber sollten Lagos in jedem Fall dem zwar nett anzuschauenden, aber durch und durch touristischen Albufeira vorziehen. Auf der gleichen Landzunge liegen die sagenhaften Grotten und Felsformationen um die Ponta da Piedade, welche Ihr unbedingt in der Abenddämmerung mit dem Boot besuchen solltet. Gut eine Stunde Fahrt mit den Fischern ist ab etwa 30 DM für 2-3 Fahrgäste zu haben. Es lohnt sich, denn die meisten der bizarren Formationen, Grotten, Lichthöfe und winzigen Badebuchten sind von Land aus weder zu sehen noch zugänglich.

Rathaus in Lagos

Rathaus in Lagos

Felsformationen an der Ponta da Piedade Felsformationen an der Ponta da Piedade

Felsformationen an der Ponta da Piedade

Selbstverständlich erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit meiner Beschreibungen, denn im Osten bin ich noch nicht weiter als bis Tavira, dem Venedig Portugals, wie leicht übertrieben die Reiseführer schwärmen, gekommen. Das Preisniveau ist in etwa mit dem in Deutschland zu vergleichen – nur das Volksnahrungsmittel Fisch ist erheblich billiger und qualitativ unschlagbar. Sicherlich gibt es in Portugal unverfälschtere Gegenden als Algarve, das könnt Ihr in meinem Beitrag über die nördlichste Region ('Minho – Das ursprüngliche Portugal') nachlesen. Als Veranstalter kommt für mich nur noch Olimar in Frage, sofern ich mich nicht entschließen sollte, auf eigene Faust loszuziehen: Das breiteste Angebot an Zielen und Unterkünften in Portugal, auf den Azoren und Madeira in einem traumhaft gestalteten Katalog.